Aus Erfahrung wird Aufbruch

Wir holen uns Schritt für Schritt zurück, was in der WfbM zu wenig Raum hatte.

Mit diesem Projekt verarbeiten wir unsere Erfahrungen in der Rheinwerkstatt, entwickeln unsere Fähigkeiten weiter und machen sichtbar, was aus eigener Kraft entstehen kann.
Person sprüht das Wort „Würde“ als buntes Graffiti an eine Betonwand. Würde ist ein zentraler Aspekt beim Thema Inklusion und WfbM.

Eine WfbM soll eigentlich eine Rehabilitationsmaßnahme sein: ein Ort, an dem Menschen gefördert werden, Fähigkeiten entwickeln und neue Perspektiven finden können.

Für uns hat sich das anders angefühlt. Wir haben dort viel eingebracht, aber zu wenig echte Entwicklung erlebt. Vieles hat uns nicht gestärkt, sondern belastet. Rückblickend sehen wir: An manchen Erfahrungen wären wir beinahe zerbrochen.

Über unsere Erfahrungen zum Thema Inklusion und WfbM schreiben wir in unseren Beiträgen, die wir auch in einfacher Sprache veröffentlichen.

Kreativität
Entwicklung
Selbstbestimmung
Kreativität
Entwicklung
Selbstbestimmung

Mit diesem Projekt knüpfen wir an das an, was in der Rheinwerkstatt zu wenig Raum hatte: Kreativität, Entwicklung und Selbstbestimmung. Wir lernen weiter, gestalten weiter und machen sichtbar, was aus eigener Kraft entstehen kann.

Warum Inklusion uns alle betrifft

Unsere Geschichte ist persönlich. Aber die Fragen dahinter sind gesellschaftlich: Wie gehen Einrichtungen mit Macht um? Wer schützt Menschen in Abhängigkeit? Und wie ernst nehmen wir Teilhabe wirklich?

Wer krank wird, Unterstützung braucht oder von Entscheidungen anderer abhängig ist, merkt schnell, wie wichtig echte Teilhabe ist. Inklusion ist deshalb kein Sonderthema für wenige Menschen. Sie betrifft die Frage, wie wir als Gesellschaft mit Verletzlichkeit, Abhängigkeit und Würde umgehen.

Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.

Richard von Weizsäcker

Schwarz-weißes Porträt des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Anzug und mit Krawatte.

Bundesarchiv, Bild 146-1991-039-11 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 146-1991-039-11, Richard v. Weizsäcker / CC BY-SA 3.0 DE

Schwarz-weißes Porträt des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Anzug und mit Krawatte.

Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.

Richard von Weizsäcker

Bundesarchiv, Bild 146-1991-039-11 / CC-BY-SA 3.0,
Bundesarchiv Bild 146-1991-039-11, Richard v. Weizsäcker
/ CC BY-SA 3.0 DE

Dieser Gedanke von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker begleitet uns. Denn wir haben erlebt, wie schnell Menschen auf Hilfe angewiesen sein können – und wie entscheidend es dann ist, ob Strukturen stärken oder zusätzlich belasten.

Wir ordnen ein, was wir in der Rheinwerkstatt in Boppard erlebt haben.

Eine Werkstatt für behinderte Menschen sollte fördern, begleiten und Teilhabe ermöglichen. Für uns gehören zu dieser Zeit aber auch viele belastende und negative Erfahrungen.

Deshalb schauen wir genauer hin: auf Dokumente, Schriftverkehr, Erinnerungen, gesetzliche Grundlagen und die Frage, wo Verantwortung beginnt.

Aufarbeitung bedeutet für uns: Erfahrungen ernst nehmen, Zusammenhänge sichtbar machen und Worte für das finden, was lange schwer einzuordnen war.

Grafische Gestaltung ist vielleicht eine unserer größten Stärken.

Wir arbeiten mit Text, Bild, Formen, Farben, Webdesign. Diese Fähigkeiten wurden in der Werkstatt durchaus gesehen und über lange Zeit auch gerne genutzt. Eine echte Förderung oder Weiterentwicklung haben wir dabei jedoch kaum erlebt. Mit der Zeit wurden diese Möglichkeiten durch schwierige Begleitumstände für uns immer stärker erschwert.

Das SGB IX beschreibt Werkstätten als Orte der Teilhabe am Arbeitsleben. Menschen sollen dort gefördert und in ihrer Entwicklung unterstützt werden.

Für uns wurde das nicht ausreichend spürbar. Deshalb holen wir uns diesen Raum heute selbst zurück: durch Schreiben, Gestalten, Recherchieren und Veröffentlichen.

Gestaltung ist für uns nicht Dekoration, sondern Ausdruck und Selbstbestimmung.

Aus Aufarbeitung und Gestaltung entsteht Vernetzung.

Unsere Erfahrungen berühren größere Fragen: Wie funktionieren Werkstätten? Wie viel Mitbestimmung gibt es wirklich? Und wer hört zu, wenn Menschen von Abhängigkeit, Druck oder fehlender Förderung berichten?

Deshalb suchen wir Austausch mit Menschen aus Medien, Recht, Beratung, Aktivismus und Zivilgesellschaft.

Inzwischen sind erste Kontakte entstanden – unter anderem zur Gesellschaft für Freiheitsrechte, zu den Sozialheld*innen und zum Team des ZDF Magazin Royale.

Vernetzung bedeutet für uns: nicht allein bleiben, Erfahrungen teilen und gemeinsam sichtbar machen, dass Teilhabe mehr sein muss als ein gutes Wort auf dem Papier.