Wir – Janina und Mathias – leben seit vielen Jahren als Paar zusammen und waren über einen langen Zeitraum in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig. Die Erfahrungen, die wir dort gemacht haben, prägen unsere Arbeit und unsere Haltung bis heute.
Was wir gesucht haben – und was wir nicht gefunden haben
Was als Rehabilitation und Teilhabe gedacht war, haben wir über weite Strecken anders erlebt: nicht als Ort, der unsere Fähigkeiten stärkt und Entwicklung ermöglicht, sondern oft als Struktur, in der Förderung ausblieb, Widersprüche sichtbar wurden und echte Teilhabe nur begrenzt stattfand.
Mit der WfbM verbanden wir ursprünglich die Hoffnung auf Stabilität, berufliche Entwicklung und eine realistische Perspektive auf mehr Selbstbestimmung. Gerade im Bereich Werbetechnik schien es zunächst möglich, kreative Gestaltung, handwerkliches Arbeiten und persönliche Entwicklung miteinander zu verbinden. Unser Anspruch war, Fähigkeiten auszubauen, Sicherheit zurückzugewinnen und schrittweise wieder näher an selbstbestimmte Arbeit heranzukommen.
Diese Erwartungen haben sich für uns nicht erfüllt. Statt individueller Förderung und verlässlicher Unterstützung erlebten wir über lange Zeit vor allem Begrenzung, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und strukturelle Widersprüche.

Hinzu kam für Janina eine besonders schwere Erfahrung: Im Werkstattkontext kam es zu sexuellen Übergriffen durch einen leitenden Mitarbeiter. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde dieser zwar fristlos entlassen. Eine tragfähige Aufarbeitung und unterstützende Begleitung durch die WfbM hat Janina bis heute jedoch nicht erlebt.
Die Folgen dieser Grenzverletzungen und der spätere Umgang damit haben uns beide über die Werkstattzeit hinaus belastet und unseren Blick auf Teilhabe, Schutz und Verantwortung nachhaltig verändert.
Nach langen inneren und äußeren Auseinandersetzungen haben wir die Werkstatt schließlich verlassen. Heute arbeiten wir daran, das zurückzugewinnen, was dort zu oft verloren ging: Sichtbarkeit, Selbstbestimmung, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine eigene Stimme im öffentlichen Raum.
Was wir heute tun
Mit dieser Website machen wir Erfahrungen sichtbar, die im Zusammenhang mit Behinderung, Werkstätten und Ausgrenzung oft verharmlost, beschwiegen oder an den Rand gedrängt werden.
Wir schreiben, dokumentieren und gestalten. Wir greifen Fragen zu Inklusion, Teilhabe, Werkstätten und gesellschaftlicher Wirklichkeit auf und versuchen, sie verständlich, sorgfältig und öffentlich nachvollziehbar zu bearbeiten.
Dabei geht es uns nicht nur um unsere eigene Geschichte. Im Austausch mit anderen Betroffenen, mit Menschen aus Zivilgesellschaft, Medien und weiteren gesellschaftlichen Bereichen wurde für uns immer deutlicher, dass viele der Probleme, die wir erlebt haben, keine Einzelfälle sind.
Unsere Arbeit verbindet persönliche Erfahrung mit öffentlicher Auseinandersetzung. Wir wollen dazu beitragen, dass Missstände benannt, Zusammenhänge sichtbar und Stimmen ernst genommen werden, die sonst leicht übergangen werden.